Besonders sensibel wird es bei der Bildung von Kundenprofilen.
Aus scheinbar harmlosen Einkaufsdaten lassen sich oft weitreichende Rückschlüsse ziehen, beispielsweise auf:
- Gesundheitszustände
- Lebensgewohnheiten
- finanzielle Situation
- religiöse Überzeugungen
- familiäre Verhältnisse
Vielen Unternehmen ist nicht bewusst, wie schnell dadurch besondere Kategorien personenbezogener Daten mittelbar betroffen sein können.
Beispiel gefällig?
Die Kinder kicken im ortsansässigen Fußballverein „Stramme Wade“ und die Väter schauen am Wochenende die Spiele ihrer Kids. Da Thorsten auf dem Weg zum Fußballplatz an einem Supermarkt vorbeikommt, bringt er für die anderen Väter am Spielfeldrand regelmäßig Bier mit. Beim Bezahlen zeigt Thorsten selbstverständlich seine Punktesammelkarte vor und freut sich über seinen stetig wachsenden Punktestand.
Als Thorsten später eine Lebensversicherung abschließen möchte, wundert er sich über die ungewöhnlich hohe Versicherungsprämie. Seine Nachforschungen ergeben: Die Versicherung wusste nicht nur über seine finanzielle Situation Bescheid, sondern glaubte auch, Erkenntnisse über seinen Gesundheitszustand beziehungsweise seinen Alkoholkonsum zu besitzen.
Wie kam es dazu?
Die Lebensversicherung hatte im Vorfeld der Vertragsgestaltung Datensätze eines Bonusprogrammanbieters eingekauft. Dem hatte Thorsten bei der Aktivierung seiner Punktesammelkarte – vermutlich unbewusst – zugestimmt. Der Anbieter des Punktesammelsystems hatte erkannt, dass Thorsten regelmäßig Bierkästen kauft, und daraus automatisiert den Schluss gezogen, es liege ein „regelmäßiger bzw. erhöhter Alkoholkonsum“ vor.
Was dem Anbieter allerdings verborgen blieb: Thorsten hatte das Bier nie allein konsumiert, sondern für eine ganze Gruppe eingekauft.
Das Ergebnis: Aus unvollständigen bzw. falsch interpretierten Daten entstanden fehlerhafte Bewertungen, die sich unmittelbar negativ auf die Versicherungsprämie auswirkten.
Aus Sicht des Datenschutzes könnte eine solche Verarbeitung aufgrund der erteilten Einwilligung unter Umständen sogar rechtmäßig gewesen sein. Die viel wichtigere Frage lautet jedoch: Mussten diese Daten überhaupt in dieser Form erhoben, ausgewertet und weitergegeben werden? Genau hier beginnen die eigentlichen datenschutzrechtlichen und ethischen Probleme moderner Profilbildung.